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Chat mit GSO-Fachberatern Dieter Stache und Ralf Kortkampf: Bewerbungstipps für die Wirtschaft |
Im Mai 2008 hatten die Mitglieder der GSO die Chance, die GSO-Fachberater Dieter Stache (l.) und Ralf Kortkampf (ehemalige Personalleiter bei der Schering AG) zum Thema „Bewerbungstipps für die Wirtschaft“ in Chat zu befragen. Hier haben wir die zentralen Fragen und Antworten für Sie aufbereitet.
Peter Langer hat die Hochschule der Künste in Berlin mit gegründet, war Gründungskanzler der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus und ist zurzeit dabei eine private Franz-Oppenheimer-Universität (Wirtschafts- und Kulturwissenschaften) aufzubauen.
| a. | Wechsel in die Selbstständigkeit |
| b. | Wechsel in die Industrie |
| c. | Formen und Wege der Bewerbung |
| d. | Gehaltsfragen |
| e. | Brancheninformationen |
a. Wechsel in die Selbstständigkeit
Ich interessiere mich für Perspektiven als Selbständiger in der Wirtschaft. Die Ausrichtung der Selbständigkeit geht in Richtung Beratung: Fachlich (Physiker mit IT Hintergrund und Luftfahrt Erfahrung) sowie Management und Strategiefragen. Es kommen dabei alle Branchen im Bereich der Hochtechnologie für mich in Frage.
Diese Branchen sind für den Bereich der großen internationalen Beratungsfirmen geeignet, z. B Strategie und Technologieberatung bei prognos. Dies sollten Sie als Einstieg verstehen, um Erfahrung für die Selbstständigkeit zu sammeln.
b. Wechsel in die Industrie
Mit welchen Argumenten kann ich meinen wissenschaftlichen Hintergrund am Besten in der Industrie vermarkten, anders gefragt: welchen Mehrwert kann ich als wissenschaftlich Ausgebildeter für die Industrie bringen -- welche Highlights werden am besten von den Gegenübern verstanden?
Als Wissenschaftler bringen Sie fachliche und methodische Expertise zur Bearbeitung komplexer bzw. strategischer Problemstellungen mit. Gehen Sie auf die speziellen F&E-Schwerpunkte des von Ihnen ausgewählten Unternehmens ein und versuchen, Ihren Beitrag zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben klarzumachen. Nennen Sie dazu möglichst konkret Ihre Erfahrung, Fachkenntnis und Motivation so, dass evt. anwesende Nicht-Fachleute die große Linie verstehen können (reduzieren Sie die wiss. Komplexität)
Der "Mehrwert" besteht in der "Verwertbarkeit" Ihrer Tätigkeit.
Mir wird immer wieder gesagt "man muss im deutschen Netzwerk" sein. Würden Sie dem zustimmen?
Es gibt viele Netzwerke, die man selber aufbauen kann und pflegen muss. Insbesondere würde ich empfehlen Fachkongresse zu besuchen und sich möglichst selbst als Speaker bekannt zu machen.
Ich möchte mir Ihre Einschätzung bezüglich meiner Chancen in der Wirtschaft einholen. Hier mein kurzer Steckbrief: Dr.oec.troph., 40 Jahre, Industrieerfahrung, 3 Jahre Post-Doc in Stanford, 3 Jahre persönliche Referentin einer bayerischen Eliteuniversität, seit 4 Jahren in einem bayerischen Ministerium; wie sehen Sie meine Chancen für die Wirtschaft?
Generell sucht die Wirtschaft Spezialisten, allerdings derzeit im Schwerpunkt Ingenieure, IT-Leute, BWLer. Mit ausgefalleneren Studienrichtungen ist heute sehr gut in Beratungsunternehmen und Dienstleistungen wie Versicherungen unterzukommen, da hier neben dem Fachwissen soziale Kompetenzen und analytisches Arbeiten im Vordergrund stehen.
Ich bin im Life Science Bereich als Postdoc in Boston tätig und möchte mich nun nach ein paar Publikationen beruflich weiterentwickeln. Die Idee ist, aufgrund von privaten Bindungen noch ein paar Jahre in den USA zu bleiben und hier einen Job in der Pharma/Biotech Branche zu finden. Greencard usw. ist vorhanden. Meine Frage ist, ob diese Berufserfahrung in Deutschland positiv ist.
Im Prinzip ist das in Ordnung. Es könnte allerdings sein, dass Sie dann für eine Position im Unternehmen zu „alt“ sind. Größere Unternehmen tendieren zur Einstellung von jungen Akademikern bis max. 36 Jahren.
Diese "Altersgrenze" kann möglicherweise durch spezielle Erfahrungen bzw. Kenntnisse kompensiert werde, so dass es durchaus zu einer Einstellung kommen kann, wenn das Anforderungsprofil der Stelle von Ihnen gut getroffen wird.
Die normale Einstiegsposition in einer Firma nach einem Postdoc in der Life science ist Spezialist in einer Arbeitsgruppe, bei kleineren Unternehmen auch Gruppenleiter mit Personalverantwortung.
c. Formen und Wege der Bewerbung
Wie geht man es denn am besten an, wenn man nach einem Postdoc in die Industrie will? Wie gehe ich bei der Bewerbung vor?
Am besten ist die klassische gezielte Bewerbung, günstiger wäre, wenn aufgrund des Studiums oder spezieller Erfahrungen schon ein Anknüpfungspunkt für eine Branche oder Unternehmen da wäre.
Auf jeden Fall die entsprechende Homepage der Unternehmen aufsuchen und auf Ansätze für die Bewerbung analysieren sowie analog Jobbörsen im Internet aufsuchen.
Wenn ich mein Postdoc-Jahr nun gerade begonnen habe, wann wäre denn der richtige Zeitpunkt um sich in der Industrie zu bewerben?
Sie sollten sich nach 2 bis 3 Jahren Postdoc in der Industrie bewerben.
Von wo aus sollte man sich am Besten bewerben, noch aus dem Ausland, vielleicht ein halbes Jahr vor der geplanten Rückkehr? Oder ist es günstiger, erst nach Deutschland zurückzukehren und sich dann zu bewerben?
Die Bewerbung vom Ausland aus ist in Ordnung, auch ein halbes Jahr vorher. Ideal wäre die Bewerbung in Deutschland, weil Firmen bisher teure Reisekosten scheuen. Dies ändert sich aber langsam wieder.
Wenn man aus der Wissenschaft aussteigen will und komplett umsatteln möchte (Life Science to Consulting), wie begründet man das am besten? Gibt es bestimmte Erfolg versprechende Formulierungen, oder andere definitive no-nos?
Begründung: Umsetzung von Forschungserkenntnissen in die Praxis (Anwendungsorientierung); dieser Weg ist durchaus nicht selten. Und führt in der dritten Phase nicht selten zurück in die Forschung.
Sind die professionellen Bewerbungshilfen (z.B. Hesse und Schrader), die einem beim Anschreiben und Lebenslauf helfen eigentlich gut? Gibt es irgendwelche besonders erfolgreichen/empfehlenswerten Firmen, die bei der Bewerbung helfen?
Hesse und Schrader sind gute Standardwerke. Ein weiterer Tipp: Jobbörsen von großen Unternehmen geben detaillierte Tipps und auch Jobbörsen wie Stepstone. Es gibt Berater, die helfen, aber: Es ist auf jeden Fall besser selbst die Bewerbung zu erarbeiten, weil sie dann authentischer ist.
Unsere Bewerbungsempfehlungen, die wir auch im Fit-for-Germany Workshop mitgeteilt haben, finden Sie hier.
Wie wichtig ist das (leider total verpatzte) Abitur bei exzellenten akademischen Leistungen? Wie lange nachdem es vorbei ist, muss das Abi-Zeugnis noch beigelegt werden?
Das Abiturzeugnis wird von Personalleitern häufig noch erbeten um Kontinuität oder auch Brüche zu erkennen. Legen Sie es bei, da es in Deutschland zumeist noch erwartet wird, obwohl bei langer wissenschaftlicher Arbeit die Bedeutung abnimmt.
Ich bin gerade mit meinem PhD fertig geworden und habe nun ein Vorstellungsgespräch in einer Biotechfirma für eine Stelle in R&D. Ich werde einen Vortrag von 45 min halten über meine "letzten Projekte" (O-Ton Personalabteilung. Was muss unbedingt in diesen Vortrag rein, welche Gliederung? Was muss ich beachten?
1. Eine Alternative mit ca. 15min bereithalten, weil Zuhörer meist ungeduldig sind. 2. Nicht in wissenschaftlichen Einzelheiten verlieren, sondern Ergebnisse der Projekte hervorheben. 3. Das für Sie günstigste Projekt schwerpunktmäßig präsentieren. 4. Gliederung voranstellen 5. Flipchart oder Overhead-Projektor etc. einsetzen 6. Laut und deutlich sprechen 7. Die Hauptperson (künftigen Chef) ansehen.
d. Gehaltsfragen
Wieviel kann ich denn nach 2-3 Jahren postdoc in den USA in der Pharmaindustrie fordern?
Es gibt bei Beratungsgesellschaften und Verbänden Übersichten über Gehaltsbandbreiten die erfahrungs-, altersabhängig oder standortabhängig sind. Werten Sie diese aus und nutzen Sie ggf. auch bei der GSO persönliche Beratung.
e. Brancheninformationen
Gibt es eine Übersicht, auf der die meisten Chemie-Firmen (nicht Pharma) in Deutschland aufgelistet sind?
Wenden Sie sich bitte an den VCI (Verband der chemischen Industrie).
Wo gibt es Informationen für den Bereich Pharma?
Informationen gibt es bei dem Verband forschender Arzneimittelhersteller oder auch dem VCI (Verband chemischer Industrie).
Gibt es Beraterfirmen die sich auf alternative Energien spezialisiert haben?
Die großen Beratungsunternehmen decken eigentlich alle Sparten ab (McKinsey, BCG etc.). Ansonsten Nachfrage beim Verband der beratenden Unternehmen.
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Interview mit Dr. Nikolaus Müller von Bayer Health Care Pharmaceuticals LLC: Als Wissenschaftler erfolgreich in der Wirtschaft Karriere machen – (wie) geht das? |
Dr. Nikolaus Müller ist Vice President für BayerHealthCare- Pharmaceuticals LLC in Berkeley, Kalifornien. Von dort aus leitet er das Globale Projektmanagement für die Geschäftsbereiche Hämatologie und Herz-Kreislauf. In seinem bisherigen Berufsleben hat er den Wechsel von wissenschaftlicher und praktischer Tätigkeit erlebt und mutige Entscheidungen getroffen: Nach Abschluss des Studiums der Veterinärmedizin und einer 2-jährigen Zeit als praktizierender Pferdetierarzt entschloss er sich zu einer Promotion an der Justus- Liebig-Universität Giessen und einem Post-Doc-Studium am Max-Planck-Institut für Systemphysiologie in Dortmund. 1987 wechselte er in die Industrie zur Schering AG in Berlin. 1999 wurde er von Schering nach Japan versandt um dort die Medizin und den gesamten Forschungs- und Entwicklungsbereich der Nihon Schering KK zu leiten. Zwischenzeitlich wurde ihm dort auch die Verantwortung für das Geschäft mit Onkologika und Spezialtherapeutika übertragen. Nach der Übernahme der Schering AG durch die Bayer AG wechselte Nikolaus Müller 2007 für das Unternehmen in die USA. Anlässlich des Workshops „Erfolgreich Karriere in der Wirtschaft machen“ im Rahmen der 9. GAINJahrestagung 2009 in San Francisco, zu dem Nikolaus Müller als Experte geladen war, sprachen wir mit ihm über die wichtigsten Aspekte hinsichtlich einer Rückkehr in die deutsche Wirtschaft.
Herr Müller, wie gelingt der Einstieg in die Wirtschaft als Forscher? Was ist der richtige Zeitpunkt, das beste Vorgehen?
NM: Es gibt in der Regel zwei Optionen: Die eine ist der eher frühe Einstieg, gleich nachdem Post-Doc/ MBA abgeschlossen sind. Hier ist allerdings darauf zu achten, dass das Unternehmen gute Entwicklungsmöglichkeiten bietet – von daher sollte man bei dieser Option auch immer einen späteren Firmenwechsel im Auge behalten. Die andere Option ist der Quereinstieg aus einer etablierten Position an einer Universität/ einem Forschungsinstitut (Professur/ Abteilungsleitung). Bei dieser Option sollte ein Wechsel in die Industrie allerdings möglichst bis zum 40sten Lebensjahr erfolgt sein. Danach wird der Umstieg in die Industrie u.a. auch durch das dort vorhandene Vorurteil erschwert, dass „man sich zu lange im rein wissenschaftlichen Umfeld aufgehalten habe und deshalb das notwendige betriebswirtschaftliche Denken und Handeln nicht mehr genügend gut verinnerlicht hat“.
Welche Karrieremöglichkeiten bieten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland speziell nach langjährigen Auslandsaufenthalten?
NM: Prinzipiell bieten sich alle Möglichkeiten! Allerdings sollte man folgende Punkte berücksichtigen: (1) Man muss sich fragen, ob man ins “Business” oder in Research & Development (R&D) einsteigen will – das kommt auf die individuelle Neigung und Kompetenz an; nicht jeder ist für beides gleichermaßen geschaffen! (2) Ein Aufenthalt von 5 Jahren und länger kann nachteilig werden – hier verliert man zunehmend die Anbindung an die Beziehungsnetzwerke in der alten Heimat. Grundsätzlich ist es übrigens leichter, sich über sein Unternehmen ins Ausland entsenden zu lassen, als auf eigene Faust ins Ausland zu gehen und von dort aus zurückzukommen. (3) Ganz wichtig: Ich rate jedem, sich in den ersten beiden Jahren in der Industrie um einen „Mentor“ aus dem Executive Management- Bereich zu bemühen. Dies ist in meinen Augen ein “Muss”, um sich wirklich gut im Unternehmen entwickeln und etablieren zu können. (4) Man sollte sich auch zunächst einmal fragen, ob der Einstieg in die Wirtschaft denn unbedingt in Deutschland erfolgen muss? Auf dem Hintergrund des riesigen US Pharmamarktes, der in etwa 50% des gesamten Weltpharmamarktes (750 Mrd. $US - 2008) repräsentiert, gibt es dort mit Sicherheit wesentlich mehr interessante Anfangspositionen zu besetzen als zu Hause in Deutschland.
Welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Industrie angeboten (z.B. Scientific Career Ladder vs. Line Management /Project Management)?
NM: Grundsätzlich gibt es in der Industrie zwei Wege; (1) den der reinen „Wissenschafts“- Karriere und (2) den der „Management“ – Karriere. Für den Weg der “Wissenschafts-Karriere” sollte man sich dann entschließen, wenn man sicher ist, ohne Experimente und Labor für den Rest seines Berufslebens nicht arbeiten zu wollen. Naturgemäß beschränken sich diese Jobs auf die Forschung und die eher frühen Entwicklungsbereiche. Diese sogenannte „Experten- Laufbahn“ beginnt i.d.R. mit dem Einstieg als “Bench Scientist” und eröffnet Entwicklungsmöglichkeiten bis zum “Senior Research Fellow”. Dennoch möchte ich nicht verhehlen, dass dieser Karriereweg meistens auf der mittleren Ebene der Hierarchie eines Unternehmens sein Ende findet. Die „Management-Karriere“ hingegen beginnt i.d.R. in der Expertenlaufbahn und entwickelt sich mit der Übernahme von immer bedeutenderen Führungs-/ Management- Aufgaben. Bei diesem Weg sind „nach oben“ grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. In den höheren Management-Ebenen finden Sie nicht nur Manager aus R&D sondern auch, und zwar im Wesentlichen, aus Marketing & Sales (Mehrheit) und Finance & Controlling. Aus diesen 3 Geschäftsfeldern rekrutieren sich auch im Übrigen die Mehrzahl der CEOs in der Pharmaindustrie. Zum Schluss, aus naheliegenden Gründen, auch noch ein Wort zum „Projektmanagement“ als Karrierestation: Viele der Topmanager haben während einer bestimmten Phase ihrer Karriere dort gearbeitet, da hier neben dem Erreichen der „harten“ Management-Zielvorgaben (on time, on budget, on target) auch „weiche“ Managementeigenschaften wie Führungs-und Kommunikationsstärke wichtige Voraussetzungen zum Erfolg sind. Im Fazit: Reine Wissenschaftskarrieren sind in der Industrie schwierig und eher unüblich.
Sind Karrieren in Academia und Industrie tatsächlich ein Gegensatz?
NM: Prinzipiell meine ich „nein“. Letztendlich nimmt der Karriereweg in den meisten Fällen seinen Anfang im akademischen Umfeld, sei es als Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Habilitant an der Uni oder als Post-Doc an den Forschungsinstituten. Der individuelle Lebensweg führt über die Zeit hinweg zu gewissen Entscheidungspunkten. Im Alter jenseits der 30 sollte man sich dann zügig entscheiden, wohin die Reise gehen soll – bleibt es die Akademie – oder ist die Industrie die interessantere Alternative? Bei einem Wechsel in die Wirtschaft steht dann schon bald danach für den Naturwissenschaftler die nächste größere Entscheidung ins Haus; d.h. bleibe ich im R & D – oder wechsele ich in den M & S – Bereich. Vergleichbare, wegweisende Entscheidungen sind auch während der Karriere in der Akademie zu treffen, so dass ich keinen grundsätzlichen Unterschied erkennen kann. Für die Wirtschaft gilt jedoch der Grundsatz, dass es der Karriere in jedem Fall hilft, Auslandsaufenthalte einzustreuen – diese sollten jedoch nicht länger als 4-5 Jahre pro Aufenthalt betragen. Die Rückkehr in die Zentrale wird mit weiteren Jahren Ausland immer schwieriger, womit das Ausland auch durchaus zur „Karrierefalle“ werden kann.
Inwieweit können sich „Defizite“ in bestimmten Disziplinen (z.B. Betriebswirtschaft) als „karrierehemmend“ erweisen und wie kann man dem begegnen?
NM: Die Karrierehemmnisse sind natürlich abhängig von den Karrierezielen. Für eine reine Wissenschaftskarriere/Expertenlaufbahn sind Managementkenntnisse eher zweitrangig; für die Managementkarriere hingegen sind sie ein “Muss”. Lassen Sie mich an dieser Stelle einige Wege aufzeigen, um etwaig fehlendes BWL-Wissen nachzuholen: (1) Ein MBA- Fernstudium neben der Uni-Assistenz oder dem Post-Doc- Studium. (2) Einige Ivy-Universitäten bieten 1-jährige MBA Ausbildungen an, die vor dem Eintritt in die Industrie absolviert werden können. (3) Training „on the job“ mit internen wie auch externen Betriebswirtschafts-Seminaren, die meist vom Unternehmen gesponsert werden. Es versteht sich von selbst, dass man sich mit geeignete Lektüre zu Business and Management kontinuierlich weiterbilden muss. Hier gibt es eine breite und sehr gute, praxisnahe Auswahl an exzellenter Literatur.
Noch eine letzte Frage zum Thema „Forschungsfreiheit“: Wer „steuert“ die Forschung in der Industrie? Wem gegenüber ist der Wissenschaftler verpflichtet? Wie sieht es aus bezüglich der Akzeptanz von „negativen“ bzw. fehlenden Forschungsergebnissen?
NM: Mit diesen Fragen sprechen Sie einen äußerst komplexen Themenkreis an, auf den ich hier nur in aller Kürze antworten kann. Die Forschung in einem Pharmaunternehmen unterliegt den gleichen Erfolgskriterien, wie sie für die anderen Teile des Unternehmens formuliert werden. Demnach sind Themen wie „Fokussierung“ auf wenige Therapiefelder, Steigerung der Effizienz (d.h. höhere Zahl von neuen Entwicklungskandidaten bei konstanten Budgets) sowie Erhöhung der Qualität dieser Entwicklungskandidaten (d.h. geringere Ausfallrate bis zur Markteinführung) die Kernthemen einer jeden Forschungsstrategie. Daraus lassen sich auch die Antworten zu den Fragen „Forschungsfreiheit“ und „Steuerung“ ableiten. Demnach ist die Forschung auf die vorgegebenen Therapiefelder und das firmenspezifische Wissen zu diesen Feldern festgelegt. Jenseits dieser Vorgaben genießen die Forscher aber genügend Freiheit, sich den ihnen übertragenen Aufgaben anzunehmen. Hier wird, wie auch in der Akademie, meist im Team mit verschiedenen Forschungsdisziplinen geforscht. Ziel ist es, das beste Molekül für die Weiterentwicklung zum Arzneimittel zu identifizieren. Die Leistung des Wissenschaftlers wird an der Erreichung der gemeinsam mit ihm festgelegten Ziele beurteilt. Diese Bewertung erfolgt i.d.R. einmal jährlich. Zum Schluss noch eine eher deprimierende Nachricht: Im Industriedurchschnitt erreichen weit weniger als 1 % der in der Forschung als mögliche Arzneimittel identifizierten Moleküle tatsächlich als Arzneimittel den Markt. Dies zeigt aber auch, dass „negative“ Forschungsergebnisse an der Tagesordnung sind und im Unternehmen akzeptiert werden, sofern daraus positive Lehren für die Zukunft gezogen werden. Im Fazit bietet die Pharmaindustrie für begabte, an Veränderungen interessierte Wissenschaftler eine sehr interessante Alternative zur Akademie.
Ratgeber „Bewerbung in der freien Wirtschaft: Wie bewerbe ich mich effektiv?“
Mit einer Bewerbung in der freien Wirtschaft begeben sich viele von uns auf unbekanntes Terrain. Häufig wird dieser entscheidende Schritt unterschätzt, nicht selten mit fatalen Folgen. Denn: "You never get a second chance to make a first impression". Wer hier an der falschen Stelle spart, gängige Regeln missachtet oder gar grobe Fehler macht, verbaut sich Chance für einen erfolgreichen Einstieg. Deshalb freuen wir uns, Ihnen auf den folgenden Seiten wichtige Informationen und Tipps rund um das Thema Bewerbung in der freien Wirtschaft zu präsentieren. Alle Informationen sind von unserem Recruitingexperten Holger Huff erstellt worden, der die GSO als Ambassador der Deutsche Bahn AG beratend unterstützt hat. Holger Huff, geboren 1974 in Bad Kreuznach, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth und der Eco-le Supérieure de Commerce in Nantes, Frankreich. Er absolvierte ein Trainee Programm bei der Deutschen Bahn AG im Bereich Marketing und ist seit Januar 2004 dort tätig, u.a. in den Bereichen Nachwuchsgewinnung, Hochschulmarketing, Personalstrategie und Employer Branding. Von April bis August 2007 war Holger Huff DB-Ambassador im GSO-Büro in den USA tätig.
a. Der Auswahlprozess im Allgemeinen – oder, was erwartet mich beim Hürdenlauf?
Unabhängig für welche Position Sie sich bewerben, in aller Regel liegt ein mehrstufiger, häufig standardisierter Auswahl-Prozess vor Ihnen. Hauptgrund dafür ist, dass die Arbeitgeber die Menge an täglichen Bewerbungen möglichst effizient und zeitnah bearbeiten möchten. Keine einfache Aufgabe, denn häufig erhalten Unternehmen mehrere hundert Bewerbungen auf eine einzige Stellensschreibung.
Folgende Auswahlstufen kommen dabei in der Regel zum Einsatz:
Das Grob- und Feinscreening
In einer ersten Stufe gilt es zunächst, aus der Vielzahl an Bewerbungen geeignete Bewerber zu identifizieren. Zur Reduktion der Komplexität verwenden Unternehmen hierbei gerne „harte“ Filterkriterien wie bspw. Schul- und Universitätsnoten. Vielleicht erscheint Ihnen diese Vorgehensweise ungerecht? Aus Sicht der Unternehmen ist es häufig der einzig gangbare Weg, die Massen an Bewerbungen zeitnah zu bearbeiten. Denn lange Bearbeitungszeiten können sich Unternehmen heutzutage nicht mehr leisten. Diese wirken negativ auf das Arbeitgeberimage und sprechen sich unter den Bewerbern schnell herum.
In einer zweiten Stufe stehen „weiche“ Kriterien im Vordergrund und der Gesamteindruck der Bewerbungsunterlage ist entscheidend. Hierbei wird beispielsweise überprüft, wie es mit der Praxiserfahrung und/oder Auslandserfahrung der Bewerber steht. Wichtig ist hier auch das außeruniversitäre Engagement, das Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Bewerber erlaubt.
Nicht selten werden in dieser ersten Phase 60 bis 80 Prozent der Bewerbungen aussortiert. Um so wichtiger, sich intensiv mit den eigenen Bewerbungsunterlagen auseinander zu setzen und unpersönliche Massenbewerbungen zu vermeiden. Doch hierzu mehr im dritten Kapitel: Die Bewerbung – oder, alles ist Marketing!
Das persönliche Gespräch
Wenn Sie diese erste Hürde erfolgreich genommen haben, erfolgt im zweiten Schritt die persönliche Kontaktaufnahme. Viele Unternehmen setzen dabei zunächst auf ein Telefoninterview. Innerhalb kurzer Zeit lassen sich damit eine Vielzahl von Bewerbern interviewen, ohne dass diese extra anreisen müssen.
Der Nachteil: Von der Vielzahl an zu überprüfenden Kompetenzen lässt sich nur ein begrenztes Spektrum beleuchten. Hierzu zählen beispielsweise die Kommunikationsfähigkeit oder die Zielstrebigkeit des Bewerbers. Nur bedingt lassen sich dahingegen Aussagen über das persönliche Auftreten oder die wahre Identität des Interviewkandidaten treffen.
Viele Unternehmen laden deshalb gleich zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch ein. Für Sie als Bewerber hat dies den Vorteil, dass Sie sich frühzeitig einen umfassenden Eindruck von dem Unternehmen und seiner Kultur machen können. In welchen Räumlichkeiten ist das Unternehmen tätig? Wie werden Sie empfangen? Welchen Mitarbeitern begegnen Sie vor und nach dem Gespräch? Wie werden Sie behandelt?
Im Rahmen strukturierter Interviews werden die Firmen versuchen, sich ein möglichst vollständiges Bild von Ihrer Persönlichkeit zu machen und Ihre Fachkenntnisse zu überprüfen. Insofern ist es nicht außergewöhnlich, wenn Sie das Vorstellungsgespräch mit mehreren Personen führen, die Sie entweder gleichzeitig oder nacheinander interviewen. Vertiefende Hinweise hierzu erhalten Sie im vierten Kapitel: Das Vorstellungsgespräch – oder, jetzt geht’s ans Eingemachte!
Der Auswahltag
Bewerben Sie sich für ein Praktikum oder eine befristete Stelle, dürften Sie den Bewerbungsmarathon bereits nach dem Vorstellungsgespräch abgeschlossen haben – hoffentlich erfolgreich.
Für längerfristige Beschäftigungsverhältnisse heißt es jedoch, die schwierigste Hürde noch zu nehmen: den Auswahltag. Dieser lässt sich unterschiedlich gestalten. Verbreitet ist das sogenannte „Assessment Center“, das durch aufeinander abgestimmte Übungen die Bewerber zur Interaktion auffordert. Häufig werden dabei bewusst Praxissituationen aus dem Berufsleben gewählt und ergänzend Leistungs- oder Persönlichkeitstests durchgeführt.
Unternehmensberatungen setzen hingegen stärker auf so genannte „Case Studies“. Hier erhalten Sie als Bewerber vereinfachte Beratungsfälle, die Sie entweder alleine oder im Team lösen. Dabei steht weniger das „richtige“ Ergebnis als vielmehr Ihre Herangehensweise im Vordergrund.
Sie fragen sich, warum Unternehmen einen derartigen Aufwand bei der Personalauswahl betreiben? Für das Unternehmen stellt die Einstellung eines Mitarbeiters – insbesondere bei längerfristigen Beschäftigungsverhältnissen – eine hohe Investition dar. Sollte sich diese Einstellung als Fehlentscheidung erweisen, kommt das den Arbeitgeber teuer zu stehen. Insofern rechnet sich der aufwendige Auswahlprozess. Hilfreiche Informationen und Tipps zum Auswahltag finden Sie im fünften Kapitel: Das Auswahlverfahren – oder, alle gegen einen?
b. Die Bewerbung – oder, alles ist Marketing!
Wie eingangs dargestellt, verschaffen sich potenzielle Arbeitgeber anhand Ihrer Bewerbungsunterlagen einen ersten Eindruck von Ihnen. Da Sie in den seltensten Fällen der einzige Bewerber sind, gilt es, sich positiv von der Masse abzuheben. Das bedeutet, Marketing in eigener Sache zu betreiben. Ein Thema, das speziell uns Deutschen im Gegensatz zur amerikanischen Kultur eher fremd ist.
Bescheidenheit mag ein sympathischer Charakterzug sein, im Bewerbungsverfahren aber geht es darum, Ihre Persönlichkeit und Ihre bisherigen Erfolge selbstbewusst, angemessen und ehrlich unter Beweis zu stellen.
c. Welche Unterlagen gehören in meine Bewerbung?
Hier sollten Sie zwischen einer Kurzbewerbung und einer vollständigen Bewerbungsmappe unterscheiden. Ist nur eine Kurzbewerbung gefordert, reichen ein Anschreiben sowie ein tabellarischer Lebenslauf. In den meisten Fällen werden jedoch vollständige Bewerbungsunterlagen bevorzugt.
Achten Sie dabei genau auf die Stellenausschreibung. Typische Formulierungen wie: „Wir freuen uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen...“ oder „Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen senden Sie...“ lassen erkennen, dass eine Kurzbewerbung an dieser Stelle nicht ausreicht.
Zu einer vollständigen Bewerbungsmappe gehören:das Anschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf sowie alle relevanten Zeugnisse als Beleg Ihrer bisherigen schulischen und akademischen Leistungen bzw. Praxiserfahrung.
Nützliche Hinweise:
d. Worauf muss ich beim Anschreiben achten?
Das Anschreiben stellt die erste Seite der Bewerbungsmappe dar. Es ist so etwas wie Ihre Visitenkarte und beantwortet vor allem die Frage, warum Sie sich für die ausgeschriebene Position interessieren und warum genau Sie der richtige Kandidat für diese Stelle sind.
Das Anschreiben sollte nicht mehr als eine DIN-A-4 Seite umfassen und übersichtlich gegliedert sein. Neben der richtigen Adressatenansprache ist eine aussagekräftige Betreffzeile hilfreich. Am besten beziehen Sie sich hier auf die konkrete Ausschreibung. Dies hilft dem Kollegen vor Ort, Ihre Bewerbung schnell zuzuordnen.
Gerne können Sie im ersten Absatz Bezug nehmen auf bereits geführte Gespräche mit Unternehmensvertretern (zum Beispiel auf einer Recruiting-Messe). Auch ein bereits absolviertes Praktikum im Unternehmen ist eine interessante Information, die sich bestens als Einstieg nutzen lässt.Eines sollten Sie auf alle Fälle vermeiden: grundlose Anrufe beim Unternehmen, um sich dann auf das freundliche Telefonat zu beziehen, das Sie in Ihrer Bewerbungsabsicht bestätigte.
Wenn Sie sich vorab bei dem Unternehmen melden, sollten Sie hierfür einen triftigen Grund haben (bspw. benötigen Sie weiterführende Informationen zur Stellenbeschreibung). Vermeiden Sie Fragen, die sich aus der Stellenanzeige beantworten lassen!
Hierzu ist es wichtig, die Stellenanzeige gründlich zu lesen und dabei die Anforderungen vollständig zu erfassen. Differenzieren Sie dabei zwischen Muss-Kriterien („Sie verfügen über verhandlungssichere Englischkenntnisse“) und Kann-Kriterien („eine zweite Fremdsprache wäre ideal“).
Nach Analyse der Stellenanzeige sollte Ihnen der zweite Absatz des Anschreibens nicht schwer fallen. Dort beantworten Sie die Frage, warum Sie sich auf die ausgeschriebene Stelle bewerben und was Sie dem Unternehmen zu bieten haben - fachlich wie persönlich. Dabei ist es entscheidend, die wichtigsten Kenntnisse und Eigenschaften mit Beispielen zu belegen. Beziehen Sie sich dabei auch auf frühere Praktika oder Ihr außeruniversitäres Engagement.
Im dritten Abschnitt sollten Sie verdeutlichen, warum das ausschreibende Unternehmen für Sie als potenzieller Arbeitgeber interessant ist. Nennen Sie an dieser Stelle möglichst unternehmensspezifische Gründe. Allgemeinplätze wie Unternehmensgröße wirken wenig überzeugend. Sollten Sie mit dem Unternehmen bisher wenig vertraut sein, informieren Sie sich auf seiner Homepage.
Organisatorische Hinweise sollten Sie im folgenden Abschnitt ansprechen. Hierzu zählen bspw. Ihr Wunschstandort, der mögliche Startzeitpunkt oder – falls ausdrücklich gewünscht – auch Ihre Gehaltsvorstellung.
Das Ende des Anschreibens markiert ein freundlicher, aber auch bestimmter Abschluss. Verdeutlichen Sie, dass Sie sich auf ein Vorstellungsgespräch freuen, um das Unternehmen von Ihrer Persönlichkeit und Ihrer Leistungsfähigkeit zu überzeugen.
Nützliche Hinweise:
e. Was umfasst ein Lebenslauf?
Der Lebenslauf ist das entscheidende Dokument in Ihrer Bewerbung. Er ist nicht mit einem Inhaltsverzeichnis zu verwechseln. Der Lebenslauf präsentiert alle bewerberrelevanten Informationen kompakt und übersichtlich und verdeutlicht so, warum der Bewerber der richtige Kandidat für die ausgeschriebene Stelle ist.
Ihr Lebenslauf sollte in den ersten Berufsjahren nicht mehr als zwei Seiten umfassen und tabellarisch gegliedert sein. Neben den persönlichen Daten präsentieren Sie Ihren schulischen und akademischen Werdegang, führen den Wehr- oder Zivildienst sowie eine eventuell absolvierte Berufsausbildung auf. Schließlich benennen Sie die für das Zielunternehmen relevante Praxis- und Forschungserfahrung.
Darüber hinaus sind Ihre Sprach- und EDV-Kenntnisse ebenso wichtig wie weitere berufsbezogene Fähigkeiten und Qualifikationen. Dem außeruniversitärem Engagement sollten Sie ebenfalls ausreichend Platz einräumen.
Unterschiedliche Meinungen herrschen hinsichtlich der Erwähnung von Hobbys und persönlichen Interessen. Fakt ist, dass man meist mehr Zeit im Unternehmen verbringt als mit seiner eigenen Familie. Deshalb ist es aus Sicht der einstellenden Unternehmen durchaus von Interesse, den zukünftigen Kollegen möglichst umfassend kennen zu lernen.
Entscheidend ist, dass all diese Informationen schnell erfassbar sind. Deshalb sollten Sie übersichtliche und aussagekräftige Themenblöcke bilden. Überlegen Sie sich genau, welche Informationen unter welchem Themenblock sinnvoll sind.
Während im deutschsprachigen Raum die Angaben in einer aufsteigend chronologischen Reihenfolge gegliedert werden, setzen mehr und mehr Bewerber auf die anglo-amerikanische Anordnung, die eine absteigend chronologische Gliederung vorsieht und damit immer die aktuellste Tätigkeit oder Ausbildung zu erst nennt. Für welche Reihenfolge Sie sich entscheiden, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass Sie die gewählte Vorgehensweise auch durchgehend einhalten.
Die Unterschrift mit aktueller Datumsangabe am Ende des Lebenslaufs darf ebenso wenig fehlen wie die Auflistung aller relevanten Kontaktdaten zu Beginn des Lebenslaufs.
Nützliche Hinweise:
f. Benötige ich ein Bewerbungsfoto?
Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Sommer 2006 wird den Unternehmen geraten, auf die Anforderung von Bewerbungsfotos zu verzichten. Damit können Sie Ihre Bewerbung auch ohne ein Lichtbild versenden.
Umgekehrt ist das Beifügen eines Bewerbungsfotos bisher nicht untersagt, anders als beispielsweise in den USA. Dort ist es inzwischen üblich, Bewerbungsunterlagen mit einem Foto zurückzusenden, ohne dass eine Prüfung stattgefunden hat, weil sich Unternehmen im Falle einer Absage nicht dem Diskriminierungsvorwurf aussetzen möchten.
Sollten Sie sich für eine Bewerbung mit Lichtbild entscheiden, setzen Sie auf Qualität. Fotos aus dem Automaten oder gar private Schnappschüssen haben in einer professionellen Bewerbung nichts verloren.
Nützliche Hinweise:
g. Welche Anlagen gehören in die Bewerbungsmappe?
Achten Sie auch darauf, dass Ihre Anlagen vollständig und mit Bedacht gewählt sind. In aller Regel erwarten Arbeitgeber Ihre Schulabschlusszeugnisse, Ihre Zeugnisse zur Berufsausbildung, Vordiplom- und Diplomzeugnisse sowie Praktikums- und Arbeitszeugnisse. Verfügen Sie über weitere Qualifikationen (Trainerausbildung, Sprachzertifikate etc.), die für die Zielposition relevant sind, gehören diese ebenfalls in den Anhang.
Wichtig: Je mehr Berufserfahrung Sie vorzuweisen haben, desto weniger spielen Noten die entscheidende Rolle. Unmittelbar nach Studienabschluss sollten Sie auf alle Fälle das Vordiplom beilegen. Nach einigen Jahren Berufserfahrung ist dies nicht mehr nötig.
Nützliche Hinweise:
h. Bewerbe ich mich online, per Post oder per E-Mail?
Diese Frage beantwortet Ihnen in den meisten Fällen die Stellenausschreibung oder im Falle einer Initiativbewerbung die Hinweise auf der Online Karriereseite des jeweiligen Unternehmens.
Zahlreiche Unternehmen setzen heute ausschließlich auf Online Bewerbungen, da sich hierdurch hohe Einsparungen in der Bewerbungsadministration realisieren lassen. Die Systeme versenden eigenständig Eingangsbestätigungen, überprüfen die Erfüllung von Mindestkriterien und generieren automatische Zwischenbescheide sowie Absageschreiben.
Aus Sicht der Bewerber bieten Online Bewerbungen zumeist weniger Vorteile. Trotz erheblicher Weiterentwicklungen bieten die Eingabemasken wenig Spielraum für Individualität und passen nicht immer auf den eigenen Werdegang. Nichts desto trotz: Verlangt das Unternehmen ausdrücklich eine Online Bewerbung, ist die Versendung einer Post- oder auch E-Mail Bewerbung reine Zeitverschwendung.
Für Sie haben E-Mail Bewerbungen den Vorteil, dass sie kostengünstiger sind. Neben dem Porto sparen Sie sich teure Bewerbungsmappen. Andererseits nehmen Sie sich damit die Chance, sich von Ihren Mitbewerbern abzuheben. Dieser Vorteil kommt jedoch dann nicht zum Tragen, wenn alle eingehenden Postbewerbungen vom Unternehmen gescannt und den Fachbereichen elektronisch zur Verfügung gestellt werden. Sollten Sie die Möglichkeit im Rahmen von Karrieremessen oder Recruiting-Workshops haben, fragen Sie auf jeden Fall nach der vom Unternehmen präferierten Bewerbungsform.
i. Das Vorstellungsgespräch – oder, jetzt geht’s ans Eingemachte
Das Vorstellungsgespräch ist das, wovor Bewerber in der Regel den größten Respekt haben: Jetzt geht es ans Eingemachte! Ihre Interviewer werden versuchen, sich im Rahmen intensiver Gespräche ein möglichst vollständiges Bild von Ihnen zu machen. Hierzu zählen Ihre Persönlichkeit, Ihre Motivation für das Unternehmen, Ihre Fachkenntnisse etc.
Dabei ist es nicht außergewöhnlich, dass mehrere Unternehmensvertreter mit Ihnen sprechen werden, entweder gleichzeitig oder nacheinander. Insbesondere in international agierenden Institutionen können Sie davon ausgehen, dass Sie Teile des Gesprächs auch in der Fremdsprache führen werden, die in der Stellenbeschreibung gefordert sind.
Professionell geführte Interviews bestehen aus mehreren, aufeinander aufbauenden Phasen. Zu Beginn des Gesprächs sollte auf jeden Fall eine kurze Vorstellung aller Interviewpartner erfolgen. Nach einem kurzen „Warming Up“ zur Auflockerung der Gesprächsatmosphäre dürfte Ihnen relativ schnell der Ball zugespielt werden mit der Bitte, sich ausführlich vorzustellen und den eigenen Werdegang zu beleuchten.
An dieser Stelle sollten Sie sich in die Lage der Interviewer versetzen. Überlegen Sie sich genau, welche Informationen für das Unternehmen wichtig sind. Gehen Sie schwerpunktmäßig auf die Stationen in Ihrem Lebenslauf ein, die belegen, dass Sie das richtige Profil für das Unternehmen mitbringen.
Im Anschluss an Ihre Selbstpräsentation werden Ihnen vermutlich eine Menge „bohrender“ Fragen gestellt werden. Meistens werden Sie gebeten, bereits angesprochene Themen zu vertiefen und/oder mit Beispielen zu belegen. Ein weiterer Themenschwerpunkt in dieser Gesprächsphase dürfte die zu besetzende Position sein. Gerne konfrontiert man Sie dabei mit situativen Fragen, um herauszufinden, wie Sie in gewissen Situationen handeln würden. Oft werden während dieses Gesprächsabschnitts auch Ihre Fachkenntnisse näher beleuchtet.
Rechnen Sie generell während des Interviews mit vielen „W-Fragen“ (wieso, weshalb, warum etc.). Damit schafft es der Interviewer, möglichst viel von Ihnen zu erfahren
Zum Schluss werden zumeist noch organisatorische Details angesprochen. Dabei kann es um Ihre Gehaltsvorstellungen gehen, um Ihre Bereitschaft, bestimmte Arbeitszeitmodelle zu leben, die Klärung des Arbeitsstandortes usw. Setzen Sie sich im Vorfeld unbedingt mit diesen Themen auseinander. Auf dieser Grundlage werden Sie sich eindeutig positionieren können. Achten Sie auf jeden Fall auch auf realistische Forderungen. Sind Sie beispielsweise unsicher hinsichtlich Ihrer Gehaltwünsche, sollten Sie sich vorab im Internet in aktuellen Gehaltsstudien informieren.
Unabhängig, ob Sie ein Telefoninterview oder ein persönliches Gespräch erwartet, wichtigster Erfolgsfaktor ist die gründliche Vorbereitung. Hierbei sollten Sie an drei Aspekte denken:
Die Selbstanalyse und -einschätzung
Neben der Überprüfung Ihres Fachwissens interessieren sich die Unternehmen vor allem für Ihre Persönlichkeit. Keiner kennt diese besser als Sie selbst. Dennoch sollten Sie sich im Vorfeld intensiv mit sich selbst auseinandersetzen. Auf dieser Basis werden Sie Ihr Gegenüber glaubwürdig überzeugen können, warum Sie der/die Richtige für das Unternehmen sind. Folgende Leitfragen sollten Sie souverän beantworten können:
Nützliche Hinweise:
Relevante Unternehmensinformationen
Nie war es so einfach wie heute, sich über einen potenziellen Arbeitgeber zu informieren. Alle Informationen liegen online vor und können von Ihnen abgerufen werden. Dieses Wissen ist wichtig, um den Arbeitgeber von Ihrem Interesse und Ihrer Motivation überzeugen zu können. Mit folgenden Themen sollten Sie sich auseinandersetzen:
Nützliche Hinweise:
Schaffen optimaler Rahmenbedingungen für das Gespräch
Ein weiterer wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch sind optimale Rahmenbedingungen. In der Regel stehen Sie während des Interviews unter Stress. Identifizieren und eliminieren Sie deshalb von vornherein unnötige Stressfaktoren. Folgende Tipps helfen Ihnen, sich während des Interviews auf das Wesentliche zu konzentrieren:
Das Telefoninterview
Das persönliche Vorstellungsgespräch
j. Das Auswahlverfahren – oder, alle gegen einen?
Alle Auswahlverfahren haben eines gemeinsam: Sie stellen eine ungewohnte Stresssituation dar, die man eigentlich lieber umgehen möchte. Ähnlich wie beim Thema „Zahnarztbesuch“ kann vermutlich jeder von uns mindestens ein Schauermärchen hierzu beitragen.
Insbesondere das Auswahlverfahren „Assessment Center“ ist negativ belegt, was vermutlich daran liegt, dass derartige Prüfungssituationen in Universitäten nicht gelebt werden. Da das Instrument Assessment Center in Deutschland und Europa sehr verbreitet ist, soll im Folgenden speziell darauf eingegangen werden.
Assessment Center sind sehr aufwändige Personalauswahlverfahren, in denen mehrere Beobachterinnen und Beobachter einen bzw. mehrere Bewerber anhand vorab definierter Verhaltensanker beobachten, beschreiben und beurteilen. Die hohe Anzahl an Beobachtern ist nötig, um möglichst objektive Aussagen über die Eignung der Bewerber zu erhalten (Mehraugenprinzip).
Statt mit Vorbehalten an ein Assessment Center heranzugehen, sollten Bewerber ihre Teilnahme als Chance begreifen. Bei kaum einem anderen Auswahlverfahren kann man Sie in so vielfältigen Verhaltensausprägungen beurteilen. Gegen Ende des Verfahrens erhalten Sie als Teilnehmer eines professionell durchgeführten Assessment Center ein umfangrei-ches Feedback, das Ihnen neue Einblicke über Ihre Persönlichkeit vermittelt.
Dieses kosten- und zeitintensive Auswahlverfahren kommt zumeist nur bei Stellenbesetzungen mit Hochschulabsolventen bzw. mit Führungsverantwortung zum Einsatz. Die Dauer von Assessment Centern kann bis zu drei Tagen reichen, wobei eintägige ACs die Regel sind.
Die Vielfalt an Übungen reicht von Präsentationen, Gruppendiskussionen, Postkorbübungen, Interviews, Rollenspielen bis hin zu kleinen Fallstudien. Gerne werden auch Leistungs-, Persönlichkeits- oder Intelligenztests durchgeführt. Die meisten Übungen sind dabei unter bestimmten Zeitvorgaben zu erfüllen, wobei insbesondere die Leistungstests so konzipiert sind, dass kaum alle Aufgaben gelöst werden können.
Im Folgenden einige Hinweise, die Ihnen helfen sollen, ein Assessment Center erfolgreich zu meistern.
Nützliche Hinweise:
k. Und zu guter Letzt – never give up!
Nach all diesen Hinweisen dürfte Ihrer erfolgreichen Bewerbung eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Und dennoch: Die Statistik spricht dagegen. In der Regel sind mehrere Anläufe nötig, um den Wunscharbeitgeber zu finden und diesen von seinen Leistungen zu überzeugen. Eins sollten Sie sich dabei immer vor Augen halten: Never give up! Und wenn das Vorstellungsgespräch oder das Assessment Center nicht in Ihrem Sinne verlaufen ist, gibt es auf jeden Fall ein Leben danach!
Blicken Sie optimistisch nach vorne und lassen Sie sich von Fehlschlägen nicht entmutigen! Sie helfen Ihnen, daraus zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Hierzu müssen Sie allerdings bereit sein, sich mit den Gründen des Nichtbestehens ehrlich auseinander zu setzen.
Scheuen Sie sich nicht, bei den jeweiligen Unternehmensvertretern nachzufragen. Bei dem Feedback, das Sie erhalten werden, sollten Sie aber immer bedenken, dass jedes Unternehmen unterschiedliche Anforderungsprofile hat. Dieselbe Leistung, die für Unternehmen A nicht ausreichte, kann für Unternehmen B genau passend sein.
Und manchmal liegt es auch einfach nur an der Tagesform oder an dem nötigen Quäntchen Glück, das gefehlt hat. In diesem Sinne viel Erfolg für Ihre zukünftigen Bewerbungen.
Holger Huff